{"id":98,"date":"2017-09-25T18:00:06","date_gmt":"2017-09-25T18:00:06","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=98","title":{"rendered":"Thimbleweed Park"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/75690.jpg\" alt=\"Bild 75690\" style=\"float: left;\">Dass \u201evon den Sch\u00f6pfern von [hier Videospielklassiker einsetzen]\u201c noch lange kein Qualit\u00e4tsmerkmal sein muss, haben schon so einige Titel beweisen k\u00f6nnen. Gerade in der j\u00fcngeren, durch Kickstarter angetriebenen Vergangenheit sind derartig beworbene Produkte gerne mal mehr, mal weniger spektakul\u00e4r in Flammen aufgegangen. Doch es gibt auch tats\u00e4chlich Spiele, die dem Ruf ihrer Sch\u00f6pfer gerecht werden k\u00f6nnen. Solche, die gekonnt den Stil der Klassiker, an denen sie sich orientieren, einfangen, ohne sich allein auf diese Nostalgie verlassen zu m\u00fcssen. Und genau ein solches Spiel ist <b>Thimbleweed Park<\/b> aus der Feder der <i>Maniac Mansion<\/i>-Sch\u00f6pfer Ron Gilbert und Gary Winnick, das sich fast wie ein geistiger Nachfolger besagten Meilensteins des Genres anf\u00fchlt und doch praktisch vollkommen auf eigenen Beinen stehen kann. Warum dem so ist, verrate ich euch in diesem Test.<\/p>\n<p><b>Schlaflose Nacht im verschlafenen Dorf<\/b><br \/>\nAber was ist Thimbleweed Park jetzt eigentlich? Das ist der Name einer amerikanischen Ortschaft, die ihre besten Tage bereits hinter sich hat und nun auch noch Schauplatz eines Mordes geworden ist. Die Agenten Angela Ray und Antonio Reyes treffen umgehend ein, um in diesem Fall zu ermitteln und schleunigst wieder das Weite zu suchen. Denn dass Thimbleweed Park eher unheimlich als gem\u00fctlich geworden ist, das wird nur allzu schnell klar. Heruntergekommene Gesch\u00e4fte, verbarrikadierte Buden, ranziger Diner-Fra\u00df\u2026 Dass hier \u00fcberhaupt noch was l\u00e4uft, scheint wohl allein der f\u00fcr das Jahr 1988 fortgeschrittenen Automatisierung durch diverse praktische Apparate verdankt zu sein. Sogar Ermittlungen in Mordf\u00e4llen laufen haupts\u00e4chlich maschinell mit Hilfe vierer solcher Apparate, deren Hilfe Ray und Reyes in Anspruch zu nehmen haben. Nach klassischer Point-and-Click-Manier navigiert man den Agenten seiner Wahl \u2013 der per Schultertastenbefehl oder \u00fcber Bildschirmicons jederzeit gewechselt werden kann \u2013 und sammelt zun\u00e4chst einmal alles auf, was nicht niet- und nagelfest ist. Wie man das vom Genre her so kennt. <i>Thimbleweed Park<\/i> legt euch dabei allerdings auch enorm viel nutzlosen Plunder ins Inventar, der h\u00f6chstens f\u00fcr einen schnippischen Kommentar gut ist. Immerhin k\u00f6nnt ihr euch keines der R\u00e4tsel verbauen, sterben oder anderweitig euren Spielstand in eine Sackgasse navigieren \u2013 derma\u00dfen stark in die knallharte Vergangenheit des Genres eintauchen wollten die Macher dann doch nicht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/75689.jpg\" alt=\"Bild 75689\" style=\"float: right;\">Schnell wird klar, dass das Ermittlerduo nicht nur mit an dem aktuellen Mordfall zu arbeiten hat, sondern Thimbleweed Park auch einige d\u00fcstere Geheimnisse zu bergen scheint. Und sei es nur, weil man wissen m\u00f6chte, was zum Henker es mit den als Tauben verkleideten Klempner-Schwestern und ihrem Gefasel von Signalen auf sich hat. Dabei sto\u00dfen sogar drei weitere Charaktere zur Auswahl der spielbaren Hauptfiguren hinzu, die ihre eigenen Geschichten, Ziele und F\u00e4higkeiten mit sich bringen. So ist Delores Edmund, eine Spiele-Entwicklerin, mit technischen Angelegenheiten bestens vertraut und kann sich im Herrenhaus ihres verstorbenen Onkels Chuck frei austoben, w\u00e4hrend sie versucht, die Verlesung des Testaments zu erm\u00f6glichen. Der fluchende Clown Ransome hingegen will eigentlich nur seine Ruhe und vielleicht auch ein Gegenmittel f\u00fcr den Fluch, dank dessen er seine Kost\u00fcmierung nicht mehr loswird. Ihr merkt sicherlich schon: Das sind keine allt\u00e4glichen Protagonisten, die hier schlussendlich durch flei\u00dfigen Charakterwechsel zusammenarbeiten m\u00fcssen. Die ausget\u00fcftelten Objektr\u00e4tsel erfordern n\u00e4mlich gerne mal, dass ihr mit der richtigen Figur zur richtigen Zeit am richtigen Ort seid. Dennoch f\u00e4llt der Schwierigkeitsgrad f\u00fcr Genre-Veteranen eher angenehm aus, da sich jede Aufgabe mit etwas \u00dcberlegung und Geduld knacken l\u00e4sst. Charakterspezifische To-Do-Listen bieten zudem kleine Denkanst\u00f6\u00dfe und wer wirklich nicht weiter wei\u00df, kann sogar auf ein spielinternes Hinweissystem zur\u00fcckgreifen, das einem im absoluten Verzweiflungsfall erst Tipps gibt und schlussendlich die L\u00f6sung vorkaut. Das mindert ungemein eventuell aufkommenden Frust. Neulinge im Adventure-Business k\u00f6nnen zudem einen niedrigeren Schwierigkeitsgrad anw\u00e4hlen, der einige der komplexeren R\u00e4tsel schlichtweg entfernt. L\u00f6blich einsteigerfreundlich, ohne Kenner zu verschrecken!<\/p>\n<p><b>Controller-Kr\u00e4mpfe<\/b><br \/>\nLeider kommt das an sich gelungene <i>Thimbleweed Park<\/i> nicht ganz ohne Schwachpunkte aus. So sind die Charaktere klasse, die Story spannend und die Atmosph\u00e4re astrein, nur leider hapert es bei den Details. Ohne zu viel vorwegzunehmen, f\u00e4llt die Handlung gegen Ende merkbar in sich zusammen, w\u00e4hrend die Figuren an Interaktion untereinander vermissen lassen. Klar k\u00f6nnen sie optional miteinander plaudern, doch wirklich handlungsrelevante Gespr\u00e4che unter ihnen gibt es keine \u2013 wer nicht nachbohrt, erf\u00e4hrt beispielsweise nie, warum Ransome sich \u00fcberhaupt mit dem bunten Trupp abgibt. Switch-spezifisch ist die Steuerung ein zweischneidiges Schwert. Die Touch-Kontrolle im Handheld-Modus emuliert recht gut das Point-and-Click-Gef\u00fchl des PC-Originals und bringt auch eine Hotspot-Anzeige als Hilfe mit. Die Controller-Steuerung ist allerdings ungef\u00e4hr so ungenau und krampfig, wie man es von Adventure-Konsolenports der sp\u00e4ten Neunziger erwartet h\u00e4tte. So f\u00fchlt sich die Cursor-F\u00fchrung per Analogstick seltsam tr\u00e4ge an, weil der Zeiger bei jedem Hotspot automatisch langsamer wird, und trotz Steuerkreuz-Navigation und Schultertasten-Durchschalten anklickbarer Objekte ist das manuelle Ausw\u00e4hlen der Verben-Kommandos ein Krampf. Das ist umso mehr schade, da es mit der <i>Monkey Island 2: Special Edition<\/i> zum Beispiel gelungenere Beispiele f\u00fcr Controller-Setups klassischer Adventures gibt \u2013 auch wenn daf\u00fcr eben das ganze Interface erst einmal ummodelliert werden musste. Stichwort <i>Monkey Island<\/i>: Besonders hervorhebenswert ist auch die deutsche \u00dcbersetzung, die <i>Thimbleweed Park<\/i> zumindest in textlicher Form enth\u00e4lt. Das humorvolle Endergebnis pr\u00e4sentiert sich lobenswert an lokale Gepflogenheiten angepasst statt stumpf wortw\u00f6rtlich \u00fcbersetzt. Da schmerzt es jedoch umso mehr, dass sie stellenweise einige verzeihbare, aber trotzdem eben \u00e4rgerliche Ausrutscher enth\u00e4lt und gelegentlich etwas schief klingt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"428\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4H1Cw0d5EGk\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass \u201evon den Sch\u00f6pfern von [hier Videospielklassiker einsetzen]\u201c noch lange kein Qualit\u00e4tsmerkmal sein muss, haben schon so einige Titel beweisen k\u00f6nnen. Gerade in der j\u00fcngeren, durch Kickstarter angetriebenen Vergangenheit sind derartig beworbene Produkte gerne mal mehr, mal weniger spektakul\u00e4r in Flammen aufgegangen. 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