{"id":499,"date":"2022-08-10T17:00:12","date_gmt":"2022-08-10T17:00:12","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=499","title":{"rendered":"Live A Live"},"content":{"rendered":"<p>Wer auf Rollenspiele japanischer Machart stand, blickte als europ\u00e4ischer Zocker zu SNES-Zeiten nicht selten neidisch in Richtung Japan oder USA. Viele Klassiker aus dem Hause Squaresoft (heute Square Enix) wie <i>Final Fantasy IV<\/i> und <i>VI<\/i>, <i>Chrono Trigger<\/i> oder <i>Super Mario RPG<\/I> blieben uns n\u00e4mlich verwehrt und wieder andere Titel wie <i>Treasure Hunter G<\/I> oder <b>Live A Live<\/b> schafften es nicht einmal aus Japan raus. Gerade letztgenanntes Spiel bekommt nun jedoch eine unverhoffte neue Chance: Mit einem gro\u00dfen Remake im \u201efrisch\u201c etablierten HD-2D-Stil, vertonten Dialogen und \u00dcbersetzungen in diverse Sprachen, darunter auch Deutsch. Dass der Kultklassiker, der zuvor nur mit Fan\u00fcbersetzungen f\u00fcr Leute ohne Japanischkenntnisse spielbar war, so nun auch in offizieller Kapazit\u00e4t nach Europa gebracht wird, ist zweifelsohne l\u00f6blich. Ob das ungew\u00f6hnliche RPG allerdings auch heute noch begeistert, durfte ich in meinem Spieldurchlauf herausfinden.<\/p>\n<p><b>Ein epochales Abenteuer<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/85317.jpg\" alt=\"Bild 85317\" style=\"float: right;\"><i>Live A Live<\/i> stellt euch zun\u00e4chst vor die Qual der Wahl: Aus sieben Geschichten sollt ihr w\u00e4hlen, jede in einer anderen Epoche angesiedelt und von einem anderen Charakter bestritten. So k\u00f6nnt ihr etwa das Leben des aufbrausenden H\u00f6hlenmenschen Pogo in der Urzeit verfolgen, als Revolverheld Sundown the Kid eine Stadt vor einfallenden Banditen besch\u00fctzen oder als Ninja Oboromaru ein mit Wachen ges\u00e4umte Schloss infiltrieren. Doch keine Bange, f\u00fcr den vollst\u00e4ndigen Abschluss k\u00f6nnt und m\u00fcsst ihr eh alle Handlungen angehen. Schlie\u00dflich f\u00fchrt euer Savegame Buch dar\u00fcber, welche Geschichten ihr beendet habt. Die Storys an sich fallen dabei aufgrund der schieren Menge nat\u00fcrlich im Schnitt k\u00fcrzer aus. Manche Kapitel, wie das im Kampfspielstil aufgezogene Gegenwartsszenario um den Raufbold Masaru, lassen sich locker in unter einer Stunde bew\u00e4ltigen. Insgesamt ist man, je nachdem, wie gr\u00fcndlich man spielt, mit um die 20 bis 25 Stunden vergleichsweise fix mit allen Handlungen fertig. Das hat nat\u00fcrlich leider zur Folge, dass manche von ihnen nicht so stark ausgearbeitet wirken wie andere. Trotzdem funktionieren die Kurzgeschichten dank ihrer sympathischen Charaktere sowie der teils vielen versteckten Boni und lie\u00dfen mich \u2013 ganz wie das Gesamtpaket auch \u2013 zufrieden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Bei einer derma\u00dfen gro\u00dfen Szenariovielfalt wundert es nicht, dass sich die einzelnen Kapitel teils bedeutend anders spielen. Generell ist euer Bewegungsbereich \u00fcberschaubar: Im Nahzukunftsabschnitt mit Gedankenleser Akira warten nur eine Hand voll H\u00e4user in einer kleinen Nachbarschaft darauf, von euch besucht zu werden, wohingegen der kugelrunde Aushilfsroboter W\u00fcrfel lediglich auf die R\u00e4umlichkeiten des Raumschiffs, in dem er sich befindet, beschr\u00e4nkt ist. Es gibt jedoch stets einen kleinen Kniff, der die Erfahrung anders macht. Der zuvor erw\u00e4hnte Pogo verf\u00fcgt beispielsweise \u00fcber einen guten Geruchssinn und macht auf Knopfdruck Jagdbeute oder herumliegende Objekte aus, andernfalls l\u00e4uft er in der Wildnis in keinerlei K\u00e4mpfe rein. Der Meister der Erdherz-Kampfkunst wiederum bildet \u00fcber die erste H\u00e4lfte seines Szenarios drei aufgelesene Lehrlinge aus, indem er sie in \u00dcbungsgefechten auf die Matte schickt. Kombiniert mit der allgemeinen K\u00fcrze aller Geschichten kommt allein strukturell gesehen kaum Langeweile auf, nur wenige Kapitel \u00fcberspannen den Bogen ein wenig aufgrund eines bestimmten Faktors.<\/p>\n<p><b>Der Tanz auf dem Schachbrett<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/85316.jpg\" alt=\"Bild 85316\" style=\"float: left;\">Die K\u00e4mpfe von <i>Live A Live<\/i> sorgten bei mir n\u00e4mlich f\u00fcr gemischte Gef\u00fchle. Auf der einen Seite gef\u00e4llt das zugrundeliegende Kampfsystem: Euer Team sowie die Gegner sind auf einem in quadratische Kacheln unterteilten Feld verteilt, w\u00e4hrend gut sichtbare Aktionsladebalken anzeigen, wer wann zum Zuge kommt. Ist eine eurer Einheiten an der Reihe, k\u00f6nnt ihr entweder direkt mit einer Angriffsaktion bzw. einem Item-Einsatz loslegen oder euch zun\u00e4chst bewegen. Jeder Schritt l\u00e4dt jedoch die Aktionsleiste anderer Figuren auf und sollte ein Gegner bereit sein, wird er seinen Zug ohne R\u00fccksicht auf euch nutzen \u2013 zum Beispiel indem er euch einen fiesen Angriff reinw\u00fcrgt. Allein dadurch kommt bereits ein geh\u00f6riger Schuss Taktik ins Geschehen und gerade die kampfspielartige Masaru-Story zeigt, wie spa\u00dfig das Spiel mit der Positionierung sein kann. Ebenfalls ungew\u00f6hnlich: Es gibt hier keine \u201enormalen\u201c Angriffe. Alle Kampfhandlungen verf\u00fcgen \u00fcber besondere Eigenschaften und die einzigen Nachteile, die ihr beim Einsatz gelegentlich in Kauf nehmen m\u00fcsst, sind weitere Wartezeiten bis zum Einsatz oder tempor\u00e4re Werteschw\u00e4chungen f\u00fcr eure Charaktere. Da verlorene Trefferpunkte nach Kampfende ebenfalls wieder aufgefrischt werden, braucht man sich also nicht gro\u00dfartig in Zur\u00fcckhaltung \u00fcben und kann jederzeit die passenden Man\u00f6ver aus dem Hut zaubern. Sind gewisse Feindformationen erst einmal durchschaut, schaltet man diese nicht selten in nur wenigen Handgriffen fachgerecht aus. Das macht durchaus Laune!<\/p>\n<p>Leider sind einige der Szenarien mit f\u00fcr mein Gef\u00fchl viel zu vielen K\u00e4mpfen ausstaffiert worden. Klar, im Falle von Oboromaru, der potenziell massig an Gegnern ausschalten kann, lassen sich die meisten der Konfrontationen gl\u00fccklicherweise umgehen, doch andere Hauptfiguren haben bedeutend weniger Gl\u00fcck dabei. Gerade die Geschichte um den Erdherz-Meister oder der im klassischen RPG-Stil aufgezogene Mittelalter-Part von Oersted fielen mir hier negativ auf \u2013 speziell weil letzterer h\u00e4ufige Zufallsk\u00e4mpfe ins Spiel bringt. Interessanterweise wurde die Kampfdichte im Vergleich zum SNES-Original bereits verringert, dennoch bekam ich das Gef\u00fchl, an einigen Stellen k\u00fcnstlich ausgebremst zu werden. Das schmerzt vor allem deswegen, weil die Gefechte von <i>Live A Live<\/i> im Schnitt nicht einmal sonderlich schwer sind. Selbst viele der Bosse lassen sich relativ unkompliziert auf die Matte schicken. Immerhin: Aus den meisten K\u00e4mpfen kann man zuverl\u00e4ssig fliehen und sobald die Gegner nicht mehr ausreichend Erfahrungspunkte aussch\u00fctten, beziehungsweise man ohnehin zu stark f\u00fcr alle Herausforderungen der aktuellen Gegend ist, muss man sich entsprechend nicht mehr unn\u00f6tig M\u00fche machen.<\/p>\n<p><b>So muss ein Remake aussehen!<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/85321.jpg\" alt=\"Bild 85321\" style=\"float: right;\">Bei <i>Triangle Strategy<\/i> bem\u00e4ngelte ich noch, dass aus dem HD-2D-Look entt\u00e4uschend wenig gemacht wurde (<a href=https:\/\/www.planetswitch.de\/test\/485-review-triangle-strategy.html>zum Test<\/a>) und nun kommt <i>Live A Live<\/i> und beweist mir, dass nicht einfach nur der anf\u00e4ngliche Wow-Effekt von <i>Octopath Traveler<\/I> erloschen ist. Der SNES-Titel wurde in optischer Hinsicht einmalig \u00fcberarbeitet und begeisterte mich mit malerisch gestalteten Gebieten, die durch clevere Kamerafahrten richtig gut zur Geltung kommen. Die Animationen der detaillierten Pixelfiguren komplettieren den erstklassigen Gesamteindruck: Ob ulkige Freunde oder groteske Feinde, auf dem Schlachtfeld oder in der Landschaft \u2013 alle Charaktere werden perfekt zur Schau gestellt und speziell die wuchtigen Kampfanimationen oder gigantischen Endgegner k\u00f6nnen sich sehen lassen. Den neu eingespielten Soundtrack m\u00f6chte ich an dieser Stelle nat\u00fcrlich auch nicht unerw\u00e4hnt lassen, geht dieser \u2013 und insbesondere das wohl ber\u00fchmteste St\u00fcck \u201eMegalomania\u201c \u2013 doch direkt ins Ohr. Die deutsche Text\u00fcbersetzung wiederum wurde gef\u00fchlt in der Nachbearbeitung etwas vernachl\u00e4ssigt. Hier und da finden sich Passagen, die entweder etwas schief klingen oder nicht zum Rest des Textes passen. Von diesen Patzern abgesehen ist die Geschichte jedoch insgesamt verst\u00e4ndlich und mit reichlich Wortwitz und Charme ins Deutsche \u00fcbertragen worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer auf Rollenspiele japanischer Machart stand, blickte als europ\u00e4ischer Zocker zu SNES-Zeiten nicht selten neidisch in Richtung Japan oder USA. 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