{"id":406,"date":"2020-07-08T15:00:32","date_gmt":"2020-07-08T15:00:32","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=406","title":{"rendered":"Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/83345.jpg\" alt=\"Bild 83345\" style=\"float: left;\">Ihr wisst es, ich wei\u00df es: Es ist v\u00f6llig belanglos, welche numerische Wertung am Ende dieses Testberichts steht oder wie sehr ich auf die durchaus vorhandenen spielerischen Schw\u00e4chen von <b>Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise<\/B> eingehe. Immerhin ist der erste Teil mitunter gerade wegen seiner technischen Unzul\u00e4nglichkeiten so bekannt geworden, die dem bizarren Treiben in dem nur scheinbar friedlichen St\u00e4dtchen Greenvale eine gewisse W\u00fcrze verliehen. Fans erwarten im Prinzip nichts anderes. In dieser Hinsicht wird der Nachfolger trotz einiger Verbesserungen seinem Erbe mehr als gerecht. Aber <i>Deadly Premonition<\/I> ist irgendwo auch mehr als das. Denn wenn man mal die langatmige und hakelige spielerische Komponente ausblendet, findet sich immer noch ein unterhaltsames Mystery-Abenteuer mit merkw\u00fcrdigen Charakteren und einem gewissen Charme, dem ich mich nach einigen Spielstunden auch nicht so ganz entziehen konnte.<\/p>\n<p><b>\u201eWas f\u00fcr ein abgefuckter Fall!\u201c<\/b><br \/>\n<i>Deadly Premonition 2<\/I> ist im Jahre 2019 angesiedelt dreht sich um einen Mordfall im St\u00e4dtchen Le Carr\u00e9, ein beschaulicher Ort inmitten des amerikanischen Louisiannas. Stolze 14 Jahre, nachdem der Fall als gel\u00f6st erkl\u00e4rt wurde, taucht nun die verschwundengeglaubte Leiche wieder auf und sorgt f\u00fcr Fragen. Fragen, die das FBI-Agentenduo Aaliyah Davis und Simon Jones in einem Verh\u00f6r mit einem anderen, nunmehr ehemaligen Agenten beantwortet bekommen wollen. Und w\u00e4hrend die beiden Ermittler ihrer Arbeit nachgehen, d\u00fcrft ihr die Erlebnisse des eigentlichen Falls aus dem Jahre 2005 nachspielen. Dabei verschl\u00e4gt es den aus dem Vorg\u00e4nger bekannten exzentrischen FBI-Spezialagenten Francis York Morgan zuf\u00e4llig ins \u00d6rtchen Le Carr\u00e9. Eigentlich ist er nur auf der Durchreise, doch der bizarre Mord an einer jungen Frau, die zerst\u00fcckelt auf einem als Altar hergerichteten Stein gefunden wurde, weckt sofort sein Interesse. Was folgt, ist ein 15 bis 20 Stunden in Anspruch nehmender Trip durch eine amerikanische Kleinstadt, der euch mit seinen merkw\u00fcrdigen Ereignissen und interessanten Wendungen definitiv auf Trab h\u00e4lt. Da <i>Deadly Premonition 2<\/I> \u00fcbrigens Ereignisse abdeckt, die zeitlich nach dem Vorg\u00e4nger angesiedelt sind, kommt der Titel nicht um diverse Spoiler f\u00fcr ebendieses Spiel herum. Gleicherma\u00dfen helfen Vorkenntnisse, bestimmte Ereignisse besser einzuordnen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/83341.jpg\" alt=\"Bild 83341\" style=\"float: right;\">Die zwei Zeitabschnitte spielen sich merklich unterschiedlich. Speziell die Sektionen im Jahre 2019 sind eher als reine Dialogsequenzen zu verstehen. Ihr d\u00fcrft euch regelm\u00e4\u00dfig markante Punkte in der Wohnung eures Gespr\u00e4chspartners anschauen und \u00fcber diese auf bestimmte Themen zu sprechen kommen, doch wirklich interaktiv wird die Sache dadurch nicht. Vielmehr dienen diese Szenen eher als \u00dcberleitungen zum eigentlichen Spielgeschehen im Jahre 2005, wo ihr euch nach bester Open World-Manier in Le Carr\u00e9 herumtreiben k\u00f6nnt. Die durch einen Fluss in der Mitte geteilte Kleinstadt bietet nicht unbedingt viele interessante Anlaufstellen, zu tun gibt es aber trotzdem diverses. So schaltet ihr nach und nach eine Hand voll Minispiele wie Bowling oder Bootstouren frei oder k\u00f6nnt euch der Vielzahl an Nebenaufgaben hingeben. Letztere gibt es in zwei Geschmacksrichtungen: Wiederholbare Auftr\u00e4ge vom Polizeipr\u00e4sidium, die euch in der Regel mit Materialien belohnen, und Nebengeschichten von ans\u00e4ssigen Bewohnern mit Rang und Namen. Leider sind gerade letztere \u2013 wieder ganz nach Vorbild Vorg\u00e4nger \u2013 nicht unbedingt intuitiv l\u00f6sbar, denn gro\u00dfartige Richtungsanweisungen oder Hilfen f\u00fcr die Aufgaben gibt es nicht. Lediglich die jeweiligen Hauptmissionen werden stets mit einem deutlich sichtbaren Marker auf der am oberen Bildrand befindlichen Kompassleiste angezeigt. Das wird vor allem dann frustrierend, wenn ihr euren Auftraggeber nach erledigter Arbeit ausfindig machen m\u00f6chtet. Jeder NPC folgt n\u00e4mlich einem geregelten Tagesablauf, den ihr schlichtweg selbst herausfinden und notieren m\u00fcsst. In meinem Fall sorgte dies daf\u00fcr, dass mir die gro\u00dfen Nebenquests trotz potenziell lukrativer Belohnungen schlussendlich ziemlich egal wurden.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise haben die Entwickler zumindest in anderen Abschnitten auf die Kritik am ersten Teil reagiert. So wurde Ermittler York anstelle einer im Eiltempo benzinschl\u00fcrfenden Karre ein fesches Skateboard in die Hand gedr\u00fcckt. Zwar m\u00fcsst ihr dieses auch regelm\u00e4\u00dfig warten, wenn die Haltbarkeitsanzeige ab einem gewissen Punkt abzunehmen beginnt, doch selbst dann k\u00f6nnt ihr beachtliche Strecken damit zur\u00fccklegen, bis es Zeit f\u00fcr einen Boxenstopp wird. Au\u00dferdem schaltet man relativ fr\u00fch und ganz ohne Nebenquest ein Schnellreisesystem frei, mit dem man so ziemlich jeden wichtigen Eckpunkt der Stadt ansteuern kann, sobald man den dortigen Ballon aktiviert hat. Das Skateboard sowie Yorks Waffe und seine k\u00f6rperliche Verfassung lassen sich zudem mit Voodoo-Talismanen verbessern, um noch effektiver durch die Gegend zu rasen oder sich im unausweichlichen Kampf gr\u00f6\u00dfere \u00dcberlebenschancen zu verleihen. Leider werden f\u00fcr die Herstellung der Talismane Materialien ben\u00f6tigt, die sich entweder bei Quests, besiegten Gegnern oder auch \u00fcberall in der Gegend verstreut auflesen lassen. Aufgrund der schieren Anzahl an Kleinteilen wirkt die Sammelei beizeiten schon mal m\u00fchselig.<\/p>\n<p><b>Die Schattenseiten von Le Carr\u00e9<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/83338.jpg\" alt=\"Bild 83338\" style=\"float: left;\">Und da h\u00f6ren die Schw\u00e4chen leider nicht auf. Die Qualit\u00e4t des Missionsdesigns schwankt n\u00e4mlich auch stark. In der Regel laufen Yorks Ermittlungen in Le Carr\u00e9 so ab: Ihr erhaltet ein vages R\u00e4tsel, woraus York seine n\u00e4chsten Ziele schlussfolgert, die ihr wiederum in beliebiger Reihenfolge abklappern d\u00fcrft. Manchmal sollt ihr dabei vor Ort etwas genauer untersuchen, in anderen F\u00e4llen gilt es mit den richtigen Personen zu sprechen. Nervige Boteng\u00e4nge oder gar Aktivit\u00e4ten, die an bestimmte Ingame-Uhrzeiten gebunden sind \u2013 oder gar eine Kombination aus beidem \u2013 hat <i>Deadly Premonition 2<\/i> aber leider ebenfalls parat. Freundlicherweise kann man im Hotelbett, mit einer zuvor gekauften Zigarettenpackung oder einem Schlafsack, schnell die Zeit manipulieren. Das dazugeh\u00f6rige Tutorial erschien in meinem Fall jedoch erst deutlich nach der ersten Instanz, bei der besagtes Vorspulen angenehmer als stundenlang D\u00e4umchendrehen gewesen w\u00e4re. Als besonders schmerzhaft sind mir vor allem Verfolgungsmissionen im Ged\u00e4chtnis h\u00e4ngengeblieben, von denen eine beinahe zehn Minuten dauert und gnadenlos an den Anfang zur\u00fccksetzte, als ich gen Ende mein Ziel aus den Augen verlor. \u00c4rgerlich.<\/p>\n<p>Nicht viel besser wird es, wenn es zum Kampf kommt. Tags\u00fcber ist York relativ sicher: Auf den Wiesenfl\u00e4chen treiben sich h\u00f6chstens r\u00e4uberische Eichh\u00f6rnchen und streunende Hunde herum, denen man ebenso einfach ausweichen kann wie den Alligatoren des Flusses. Auch schmerzen die Attacken nicht sonderlich und mit wenigen Sch\u00fcssen aus einer zu Spielbeginn erhaltenen \u201eBet\u00e4ubungspistole\u201c oder <s>gezielten<\/s> ungelenken Schl\u00e4gen l\u00e4sst sich das Wildleben erlegen. Von Mitternacht bis Fr\u00fchmorgens treiben sich auf den Stra\u00dfen jedoch merkw\u00fcrdige rote Schatten herum, die York im Dauertakt in die Zange nehmen \u2013 so zumindest die Theorie. Praktisch sind die Kreaturen jedoch derma\u00dfen schwach und langsam, dass sie sich schnell umpusten oder beim Skaten ignorieren lassen. Ferner lassen die \u00fcbernat\u00fcrlichen Gegner Unmengen an Munition und Medizin fallen, weswegen man die n\u00e4chtlichen Konfrontationen ganz gut zum Aufstocken seiner Ressourcen verwenden kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/83346.jpg\" alt=\"Bild 83346\" style=\"float: right;\">Und das ist schade, denn genau diese Schattenwesen sind es, die in den seltenen Action-Szenen im Rampenlicht stehen. An wenigen Punkten verschl\u00e4gt es York n\u00e4mlich in die merkw\u00fcrdige Anderswelt, in denen es von d\u00e4monischen Wesen nur so wimmelt. Bl\u00f6d nur, dass diese potenziell interessanten Albtraum-Abschnitte in ziemlich eint\u00f6nigen und zudem praktisch identischen R\u00e4umlichkeiten stattfinden und die Gegner durchgehend schwach bleiben, ja sogar in vielen F\u00e4llen durch entschlossenes Voranpreschen umgangen werden k\u00f6nnen. Spannung kommt hierbei jedenfalls keine auf. Selbst die Bossk\u00e4mpfe sind allesamt entt\u00e4uschend einfach. Aber das ist vielleicht auch besser so, denn aufgrund der schwammigen Fadenkreuzkontrolle und Yorks unsteter Zielf\u00e4higkeit spielen sich die Feuergefechte zudem ziemlich ungelenk. Dass sie weitestgehend optional und schnell vor\u00fcber sind, k\u00f6nnte daher beinahe als Gnade gewertet werden.<\/p>\n<p><b>Geerbte Technikmacken<\/b><br \/>\nAber nicht nur die mittelm\u00e4\u00dfigen K\u00e4mpfe hat <i>Deadly Premonition 2<\/I> aus dem Vorg\u00e4nger \u00fcbernommen, auch die allgemeine Technik l\u00e4sst einiges vermissen. Zwar sieht die Optik dank eines comichaften Shadings nicht mehr so furchtbar altbacken aus, doch trotzdem laufen nur wenige Abschnitte rund. In geschlossenen R\u00e4umen bleibt die Bildrate dabei gef\u00fchlt h\u00e4ufiger stabil und hoch, w\u00e4hrend Ausfl\u00fcge auf den Stra\u00dfen von Le Carr\u00e9 zur reinsten Dauerruckelei werden. Schlimmer wird es dann nachts, wenn der Himmel sich rot f\u00e4rbt und Schatten in Dreierpacks auftauchen \u2013 dann wird das Geschehen noch einmal eine unglaubliche Schippe ruckeliger. Das ist umso merkw\u00fcrdiger, weil <i>Deadly Premonition 2<\/i> eigentlich recht simpel aussieht. Die Geb\u00e4ude sind weder nennenswert ausstaffiert noch detailliert, Stra\u00dfentexturen erscheinen ein paar Meter weiter speziell beim Herumrollen auf dem Skateboard etwas verpixelt und Umgebungsdetails, Lichtkegel oder weniger schwammige Blattwerke an B\u00e4umen ploppen in gesunder Regelm\u00e4\u00dfigkeit ins Bild. Passanten oder herumfahrende Autos sucht ihr in vielen Teilen auch vergebens, nur selten streift mal etwas Leben durch die Stra\u00dfen. Dass gerade das Open World-Areal dann auch noch gute 45 Sekunden laden muss, setzt dem Ganzen die Krone auf. Immerhin wei\u00df die Soundabmischung daf\u00fcr \u2013 anders als in Teil 1 \u2013 zu gefallen. Soll hei\u00dfen: Die gute englische Vertonung wird nicht vom stimmigen, aber gr\u00f6\u00dftenteils auch nicht wirklich besonderen Soundtrack ertr\u00e4nkt. Trotzdem w\u00e4re es sch\u00f6n gewesen, wenn man bei den Erkundungsaufl\u00fcgen per Skateboard nicht st\u00e4ndig die immer selben Monologe von York h\u00f6ren m\u00fcsste.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"428\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ty3F1Wq20Uw\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr wisst es, ich wei\u00df es: Es ist v\u00f6llig belanglos, welche numerische Wertung am Ende dieses Testberichts steht oder wie sehr ich auf die durchaus vorhandenen spielerischen Schw\u00e4chen von Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise eingehe. 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