{"id":370,"date":"2019-10-27T12:00:37","date_gmt":"2019-10-27T12:00:37","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=370","title":{"rendered":"AI: The Somnium Files"},"content":{"rendered":"<p>Die <i>Zero Escape<\/i>-Reihe mag mit <i>Zero Time Dilemma<\/i> (<a href=http:\/\/www.planet3ds.de\/test\/503-review-zero-time-dilemma.html>zum 3DS-Test<\/a>) ihr Ende gefunden haben, doch Kotaro Uchikoshi, dem leitenden Kopf hinter den Spielen, sind die Ideen deswegen noch lange nicht ausgegangen. Und au\u00dferdem m\u00f6chte die im vorigen Spiel eingef\u00fchrte Technik nun auch richtig ausgereizt werden. <b>AI: The Somnium Files<\/b> ist zumindest in vielen Punkten eine Verbesserung gegen\u00fcber dem <i>Zero Escape<\/i>-Finale, doch kann es auch mit den Glanzpunkten der Saga mithalten? Schafft es der Titel wieder, f\u00fcr schlaflose N\u00e4chte und endloses Mitdenken zu sorgen? Und ber\u00fchrt die Geschichte auch wieder so wie die Abenteuer von Junpei, Sigma und Co.? Soviel vorweg: Des Englischen m\u00e4chtige Fans spannender Krimis werden definitiv nicht von dem Adventure-Happen entt\u00e4uscht. Genaueres erl\u00e4utere ich euch im folgenden Test!<\/p>\n<p><b>Ein Auge im Park<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/82694.jpg\" alt=\"Bild 82694\" style=\"float: left;\">Alles beginnt mit einem Mord. Ihr spielt den Ermittler Kaname Date (\u201eDah-Teh\u201c gesprochen, nicht wie das englische Wort f\u00fcr Verabredungen), der am Fundort der Leiche \u2013 das Karussell eines heruntergekommenen Vergn\u00fcgungsparks \u2013 eintrifft und nun nach Hinweisen zu suchen hat. Das Opfer? Shoko Nadami, die Ex-Frau von Dates Freund Renju Okiura, der auch noch aus unerfindlichen Gr\u00fcnden das linke Auge entnommen wurde. Nach klassischer Adventure-Manier stellt man nun also die Umgebung auf den Kopf: Wahlweise per Touchscreen oder mit dem Analogstick wird das Areal abgefahren, um nach interagierbaren Objekten zu suchen. Dabei gibt es auch \u00e4u\u00dferst viel unn\u00fctzes Zeug, wof\u00fcr Date entweder eine knappe Beschreibung oder gar einen schnippischen Kommentar auf Lager hat. Schon in dieser ersten Szene wird jedoch klar, dass sich das genaue Untersuchen der Umgebung zumindest aus Unterhaltungssicht lohnt: Die kleinen Sticheleien zwischen Date und seinen Begleitern, die streckenweise immer wieder zur Seite stehen, verleihen den Figuren Pers\u00f6nlichkeit. Au\u00dferdem gibt es auch diverse urkomische Gespr\u00e4che mit anderen Charakteren, die im Prinzip der reinen Belustigung dienen. Beispielsweise k\u00f6nnt ihr direkt als erste Aktion einen hiesigen Ermittler der Forensik-Abteilung nach seinem Namen fragen \u2013 immer und immer wieder, w\u00e4hrend der erst noch freundlich und fr\u00f6hliche Forensiker langsam aber sicher die Geduld verliert. Wer schnurstracks durch das Abenteuer rennen m\u00f6chte, kann nat\u00fcrlich auch in vielen F\u00e4llen einfach das Gespr\u00e4ch mit den \u00f6rtlichen Personen suchen, dort die entscheidenden Dialogoptionen durchgehen und direkt zum n\u00e4chsten Abschnitt springen. Nur verpasst man auf diese Weise viele unterhaltsame Details.<\/p>\n<p>Date ist \u00fcbrigens im Prinzip dauerhaft mit einem Partner unterwegs. In der linken Augenh\u00f6hle des Detectives steckt n\u00e4mlich ein k\u00fcnstliches Auge mit eingebauter KI, Aiba genannt. Die ist definitiv nicht auf den Mund gefallen und tr\u00e4gt ebenfalls viel zu den Sticheleien bei. Allerdings erweist sich Aiba auch recht flott als unverzichtbare Hilfe. An bestimmten Stellen d\u00fcrft ihr n\u00e4mlich Unterst\u00fctzungsmittel wie R\u00f6ntgenblick, W\u00e4rmekamera und Zoom nutzen, um verborgene Hinweise aufzudecken. Nach bester Visual-Novel-Manier entscheidet ihr jedoch leider nie selbst, wann dies zum Einsatz kommt. Stattdessen sind die Verwendungspunkte fest vorgeschrieben. \u00dcberhaupt wird in Sachen R\u00e4tseln an den Schaupl\u00e4tzen in der realen Welt so gut wie nichts geboten \u2013 ihr geht hier also wirklich ma\u00dfgeblich der Handlung nach und lasst diese auf euch einwirken. Selbst wenn ihr gelegentlich \u00fcber das n\u00e4chste Reiseziel entscheiden d\u00fcrft, gebt ihr damit nur die Reihenfolge aller ansteuerbaren Gegenden an. Letztenendes muss alles einmal abgeklappert werden, bevor es weitergeht.<\/p>\n<p><b>Ein Auge im Traum<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/82698.jpg\" alt=\"Bild 82698\" style=\"float: right;\">Aber <i>AI: The Somnium Files<\/I> w\u00e4re ja kein Spiel vom <i>Zero Escape<\/i>-Sch\u00f6pfer, wenn es keinen besonderen Kniff g\u00e4be. Date ist n\u00e4mlich genauer gesagt Teil einer Spezialeinheit, die mit einer Maschine in die Tr\u00e4ume von Menschen eintauchen kann. Die sogenannten Psyncer l\u00f6sen dabei geistige Blockaden im Kopf des Tr\u00e4umenden und suchen so nach den gew\u00fcnschten Informationen. So ganz legal ist die Angelegenheit nat\u00fcrlich nicht, zumal nicht jeder Tr\u00e4umer freiwillig aufkreuzt, doch manchmal m\u00fcssen f\u00fcr die Gerechtigkeit Opfer gebracht werden! Au\u00dferdem lassen sich auf diese Weise auch m\u00f6glicherweise Traumata mildern, was im ersten Tauchgang in das sogenannte Somnium eines Menschen zum Thema wird: Die Gedankenwelt von Mizuki Okiura, der Tochter von Shoko und Renju, die ungl\u00fccklicherweise die erste war, die die Leiche fand.<\/p>\n<p>Im Somnium kommt nun das Knobel-Element von <i>AI<\/i> zum Vorschein. Ihr steuert eine menschen\u00e4hnliche Projektion von Aiba und erkundet teils sehr bizarre Erinnerungen und Gedanken. Die von Mizuki ist dabei noch vergleichsweise bodenst\u00e4ndig, spielt jedoch den Horror des heruntergekommenen Vergn\u00fcgungsparks noch einmal geh\u00f6rig hoch. Um die geistigen Blockaden zu l\u00f6sen gilt es nun, bestimmte Aktionen auszuf\u00fchren. Wie es sich f\u00fcr einen guten Traum geh\u00f6rt, gehorchen diese dabei nicht immer einer ganz nachvollziehbaren Logik. So stellt sich ein in ein Foto gesteckter Eispickel beim Versuch, ihn herauszuziehen, als unfassbar lang heraus, was sich zudem auch noch auf eine Stange im Park auswirkt. Will man die Puzzles l\u00f6sen, muss man also reichlich experimentieren \u2013 und leider stellt sich <i>AI<\/i> hier selbst ein Bein. Jedes Somnium muss n\u00e4mlich auch noch innerhalb eines sechsmin\u00fctigen Zeitlimits gel\u00f6st werden. Damit ist tats\u00e4chlich weniger der reale Zeitfluss gemeint als der vom Spiel vorgegebene: Steht Aiba still, schreitet die Zeit langsam voran. M\u00f6chte sie jedoch auf die Umgebung einwirken, verbraucht dies unterschiedlich viele Zeiteinheiten. Wer also blind herumprobiert, \u00fcberschreitet schnell das Limit.<\/p>\n<p><b>Ein Auge auf die Uhr<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/82695.jpg\" alt=\"Bild 82695\" style=\"float: left;\">Da wir hier aber immer noch ein Videospiel spielen, gibt es nat\u00fcrlich auch Power-Ups, die da helfen. Die sogenannten Timies werden euch beim Ausf\u00fchren bestimmter Aktionen zugesteckt und k\u00f6nnen beispielsweise die verbrauchte Zeit pro Interaktion auf einen Festwert reduzieren oder sie halbieren, dritteln oder gar zehnteln. Ein paar unpraktische Versionen, die mehr Zeit verbraten, gibt es allerdings auch. Schlimmer noch: Sofern sie nicht explizit Teil des R\u00e4tsels sind, was nur in wenigen Somnia der Fall ist, werden die exakten Timies bei jedem Anlauf neu gemischt. Ihr k\u00f6nnt euch also nicht darauf verlassen, bei jedem Anlauf auch die selben Helfer einzusammeln. Dass dies nicht in endlosem Frust endet, verdankt <i>AI<\/I> der allgemeinen K\u00fcrze der Traum-Trips und der Checkpoints. So k\u00f6nnt ihr bis zu drei Kontrollpunkte pro Anlauf zur\u00fcckreisen, um beim n\u00e4chsten Versuch beispielsweise effektiver vorzugehen und mehr Zeit f\u00fcr sp\u00e4tere Puzzle-Abschnitte zu haben, oder gar das ganze Somnium nach einem Game Over neustarten, um alle bereits gesehenen Teile mit der Vorspulfunktion abzuackern. Dies wirft allerdings auch ungemein die Frage auf, warum man \u00fcberhaupt auf ein Zeitlimit bestand. Abgesehen von diesem \u00c4rgernis machen die Knobeleien jedoch durchaus Spa\u00df, auch weil man auf der geistigen Ebene reichlich Unsinn anstellen kann \u2013 sei es, weil Aiba aufgrund ihres KI-Lebens nicht ganz wie ein Mensch handelt oder weil ihr bei der Auswahl m\u00f6glicher Aktionen gerne mal v\u00f6llig absurde Vorschl\u00e4ge erhaltet.<\/p>\n<p>Die Somnium-Abschnitte erf\u00fcllen zudem eine weitere Kernfunktion: In ihnen spalten sich gerne mal die Pfade. Wie f\u00fcr Visual Novels \u00fcblich bietet auch <i>AI<\/i> mehrere Enden, die ihr durch das Einwirken auf die Traumwelten und die damit verbundenen entdeckten Hinweise erreicht. Dank einer jederzeit aufrufbaren \u00dcbersicht k\u00f6nnt ihr im Bedarfsfall auch jederzeit zu den entsprechenden Scheidepunkten springen, ohne die Geschichte von vorn aufzurollen. In den Realwelt-Abschnitten l\u00e4sst sich sogar ausw\u00e4hlen, ab welcher Szene genau ihr wieder einsteigen m\u00f6chtet. Wer alles sehen m\u00f6chte, ist somit trotzdem gute 30 bis 35 Stunden besch\u00e4ftigt. Das komplette Abgehen aller Routen lohnt sich aber auch, denn nur so erfahrt ihr, was wirklich Sache ist, und erspielt ein genretypisches Haupt-Ende.<\/p>\n<p><b>Ein Auge f\u00fcr Details<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/82697.jpg\" alt=\"Bild 82697\" style=\"float: right;\">Auf technischer Ebene hat man sich, wie eingangs angedeutet, eindeutig an dem orientiert, was mit <i>Zero Time Dilemma<\/I> geschaffen wurde. Statt jedoch einen Film mit gelegentlichen Spielsequenzen auf die Beine zu stellen, haben wir es hier wieder mit einer klassischeren Visual Novel mitsamt reichlich Textk\u00e4sten zum Durchklicken zu tun. Ein Segen f\u00fcr schnelle Leser! Auch die Animationen wurden geh\u00f6rig \u00fcberarbeitet, wodurch die Figuren allesamt deutlich lebhafter wirken und auch die Action-Szenen nicht mehr ganz so steif her\u00fcberkommen \u2013 auch wenn die dabei eingestreuten Reaktionsspiele echt nicht n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren. Leider hat die Sache zumindest auf der Switch einen gewaltigen Haken in Form von Ladezeiten. Nun sind die beim Gebiets- oder Szenenwechsel an sich nicht sonderlich lang, doch <i>AI<\/i> streut gerne mal R\u00fcckblenden in Form einer Bild-in-Bild-Einblendung ein. Nicht selten musste ich mal gute zehn Sekunden warten, bis die kurzen Szenen, die auch gerne mal nur einen Satz umfassen, geladen wurden. Speziell bei der Konfrontation mit dem B\u00f6sewicht wird dies aufgrund der h\u00e4ufigen Flashbacks zur reinsten Geduldsprobe. Um aber noch ein gutes Wort zur Pr\u00e4sentation zu verlieren: Die englische Sprachausgabe ist durch die Bank weg gro\u00dfartig. Egal ob nun Erika Harlacher (Ann Takamaki in <i>Persona 5<\/i>) als Aiba, Corina Boettger (Shanon Atkins in <i>Atelier Firis<\/i>) als Mizuki oder Greg Chun (Takayuki Kagami in <i>Judgment<\/i>) in seiner Rolle als Date, die ganze Besetzung haucht den Figuren gekonnt Leben ein. Wer stattdessen jedoch lieber dem japanischen O-Ton zuh\u00f6ren m\u00f6chte, findet die entsprechende Sprachausgabe nat\u00fcrlich auch im Spiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zero Escape-Reihe mag mit Zero Time Dilemma (zum 3DS-Test) ihr Ende gefunden haben, doch Kotaro Uchikoshi, dem leitenden Kopf hinter den Spielen, sind die Ideen deswegen noch lange nicht ausgegangen. Und au\u00dferdem m\u00f6chte die im vorigen Spiel eingef\u00fchrte Technik nun auch richtig ausgereizt werden. 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