{"id":321,"date":"2019-05-10T08:00:00","date_gmt":"2019-05-10T08:00:00","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=321","title":{"rendered":"Path to Mnemosyne"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man so \u00fcber den aktuellen Werdegang der Videospielindustrie nachdenkt, kann man schon mal zu dem Schluss gelangen, dass vieles mittlerweile sehr \u00e4hnlich ist und nach Schema F hergestellt wird. Damit ziele ich vor allem auf gewisse Hypes ab, etwa Battle Royale oder der allgegenw\u00e4rtige Drang der Entwicklerstudios, alles in eine offene Spielwelt pressen zu m\u00fcssen. Gerade gro\u00dfe Produktionen orientieren sich gern an diesen offenbar sehr massentauglichen Konzepten. Zum Gl\u00fcck gibt es aber da noch die Indie-Sparte, meist kleine Studios, die unabh\u00e4ngig Videospiele produzieren, und hier und da sogar nur einzelne Personen die mit ihren Werken verzaubern. Gerade die Fr\u00fcchte dieser Gattung strotzen oft nur so vor kreativer Energie und zeigen immer wieder auf, dass noch l\u00e4ngst nicht alle Ideen f\u00fcr geniale Spiele verbrannt sind. So auch die Jungs und M\u00e4dels von Devilish Games, die mit ihrem neusten Werk <b>Path to Mnemosyne<\/b> beweisen, wie man Spielern den Kopf verdreht. Was damit aber genau gemeint ist, das erkl\u00e4re ich euch im Folgenden.<\/p>\n<p><b>Zoooooooooooooooooooom!<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/81839.jpg\" alt=\"Bild 81839\" style=\"float: right;\">Genug der Philosophie, ab ans Eingemachte! Eingemacht hatte ich mir auch fast als ich zum ersten Mal einen Trailer zu <i>Path to Mnemosyne<\/i> gesehen habe. Der Clou bei diesem Titel ist n\u00e4mlich das extrem befremdliche Game-Design. Man schl\u00fcpft in die Rolle eines kleinen M\u00e4dchens im Nachthemd, welches scheinbar eine unterbewusste Projektion ihrer selbst ist und nach ihren zunehmend schwindenden Erinnerungen greift. Das haben Devilish Games derma\u00dfen befremdlich visualisiert, dass der im Gaming beliebte Anglizismus \u201euncanny\u201c schon fast untertrieben ist. An sich hat man es nur mit einer recht minimalistischen 2D-Grafik zu tun, diese kommt jedoch neben ihrer abstrakten unheimlichen Darstellung noch mit einem Kniff daher. W\u00e4hrend man sich nach vorn bewegt, zoomt man n\u00e4mlich immer tiefer in ein Bild hinein, woraus wieder neue Bilder entstehen. Das mag auf dem Papier jetzt nicht sonderlich viel Sinn ergeben, man muss es einfach mal gesehen haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen kurzen Moment beim Schauen des Trailers, und auch in den ersten Spielminuten, hat das Spiel komische Dinge mit meinen Augen gemacht und es stellte sich ein unangenehmes Gef\u00fchl ein, wie es bei einigen Menschen beim ersten 3D-Film im Kino oder bei der Nutzung von Virtual-Reality vorkommt. Das legte sich zum Gl\u00fcck nach kurzer Zeit. Zu Beginn muss man sich erstmal auf den ungew\u00f6hnlichen Aufbau des Spiels einstellen, wird aber mit cleveren R\u00e4tseleinlagen gekonnt abgelenkt. In abgetrennten Spielabschnitten muss man jeweils ein paar simple, aber ansprechende Schalter- und Teleporterr\u00e4tsel l\u00f6sen, um Erinnerungskugeln einzusammeln. Hat man diese alle eingesackt, gelangt man zum Tor in den n\u00e4chsten Abschnitt und muss dort ein etwas abstrakteres R\u00e4tsel l\u00f6sen. Gerade diese \u201eBossr\u00e4tsel\u201c machen einen runden Eindruck. Wir zoomen wohlgemerkt immer noch ins Bild hinein! Brrrr\u2026<\/p>\n<p><b>Vergessen, weil man etwas vergessen hat<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/81837.jpg\" alt=\"Bild 81837\" style=\"float: left;\">Soviel zun\u00e4chst zum reinen Spielablauf, denn sonderlich viel mehr ist an <i>Path to Mnemosyne<\/i> n\u00e4mlich leider nicht dran. Nach gut zwei Stunden \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 ist man dann auch schon am Ende und, naja, das sollte man schon selbst herausfinden. Die Steuerung ist dabei aber stets eing\u00e4ngig. Man bewegt das M\u00e4dchen auf vorgegebenen Pfaden und \u00fcberspringt hier und da ein Hindernis oder einen Schalter. Auch die Soundkulisse passt hervorragend zum Thema des Spiels. Mit beklemmenden Soundeffekten gepaart mit der abstrakten Darstellung und dem Zoom-Prinzip des Titels entsteht schon eine sehr einzigartige Atmosph\u00e4re. Umso trauriger, dass alles so schnell vorbei ist. Einen kleinen Anreiz um die Spielzeit zumindest etwas zu strecken gibt es aber immerhin. Im Spielverlauf kann man noch eine andere Art von Kugeln einsammeln, die einem dann Zutritt zum guten Ende verschaffen. Was als \u201eoffene Handlung\u201c vermarktet wird, ist aus meiner Sicht aber unn\u00f6tig verschenktes Potenzial mit zu viel Spielraum f\u00fcr Spekulationen.<\/p>\n<p>Dummerweise ist die Switch-Umsetzung auch nicht frei von technischen Makeln. W\u00e4hrend des gesamten (!) Spielverlaufs traten an spezifischen Stellen immer wieder Nachladeruckler auf. Die nagen leider ein stark an der Immersion und rissen mich immer wieder ver\u00e4rgert aus dem Staunen. Auch eine einzige optionale Kugel f\u00fcr das gute Ende lie\u00df sich zum Testzeitpunkt durch einen Bug nicht erspielen. Der pr\u00fcfende Blick in diverse Playthroughs auf Youtube best\u00e4tigten: Jupp, das geht nicht\u2026 Soviel sei gesagt: So toll ist das Ende aber nun auch nicht, dann kann man es sich genauso gut einfach bei wem anders anschauen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/81835.jpg\" alt=\"Bild 81835\" style=\"float: right;\">Wer sich \u00fcbrigens die ganze Zeit gefragt hat, wer oder was dieses \u201eMnemosyne\u201c eigentlich ist, hier zum Abschluss noch eine kleine Erl\u00e4uterung, womit das Ende des Spiels eigentlich schon von Beginn an absehbar ist. Wer also ohne Vorwissen durchs Spiel gehen m\u00f6chte, darf nun direkt zum Fazit springen. F\u00fcr alle anderen: Mnemosyne ist ein Begriff aus der griechischen Mythologie und beschreibt einen Fluss in der Unterwelt, dessen Wasser verloren geglaubte Erinnerungen herbeif\u00fchrt. Sein Gegenst\u00fcck Lethe bewirkt jedoch genau, das Gegenteil, den totalen Verlust der Erinnerungen. Durchaus ein netter Ansatz f\u00fcr einen Plot, aus dem letztlich aber leider zu wenig gemacht wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man so \u00fcber den aktuellen Werdegang der Videospielindustrie nachdenkt, kann man schon mal zu dem Schluss gelangen, dass vieles mittlerweile sehr \u00e4hnlich ist und nach Schema F hergestellt wird. 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