{"id":256,"date":"2018-10-30T09:00:00","date_gmt":"2018-10-30T09:00:00","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=256","title":{"rendered":"Yomawari: The Long Night Collection"},"content":{"rendered":"<p>Horror ist nicht gleich Horror. F\u00fcr den einen ist es schaurig, wenn Gestalten sich gegenseitig zerfleddern, f\u00fcr andere wiederum, wenn die Atmosph\u00e4re besonders beklemmend ist und man nicht wei\u00df, was einen erwartet. Die k\u00fcrzlich erschienene <b>Yomawari: The Long Night Collection<\/b> f\u00e4llt da definitiv in letztere Kategorie, geht aber wohlgemerkt einen etwas anderen Weg. In der Sammlung vertreten sind die beiden Ableger <i>Yomawari: Night Alone<\/i> sowie das etwas frischere <i>Yomawari: Midnight Shadows<\/i>. Beide Teile sind sich in der Spielweise eigentlich sehr \u00e4hnlich, man verfolgt aber selbstverst\u00e4ndlich zwei unterschiedliche Geschichten. Ob die \u00fcberzeugen k\u00f6nnen und ob der Horror z\u00fcndet, das bringe ich euch im folgenden Test n\u00e4her.<\/p>\n<p><b>Wo ist meine Schwester?\/Wo ist meine Freundin?<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80817.jpg\" alt=\"Bild 80817\" style=\"float: right;\">Beginnen m\u00f6chte ich diesem Mal mit den Gemeinsamkeiten der beiden enthaltenen Spiele. Man schl\u00fcpft jeweils in die Rolle eines kleinen M\u00e4dchens und verliert auf mysteri\u00f6se Art und Weise mitten in der Nacht eine geliebte Person. Im Falle des ersten Teils, <i>Night Alone<\/i>, ist dies die gro\u00dfe Schwester, im zweiten Teil wiederum die beste Freundin namens Yui. Leider stellt das auch im Prinzip die gesamte Story dar. Beide Spiele beschr\u00e4nken sich n\u00e4mlich eher darauf, den Spieler eine grausige Nacht durchleben zu lassen, als eine tiefgr\u00fcndige Geschichte zu erz\u00e4hlen. Nichtsdestotrotz sind die Einstiege in beide Titel nicht ohne. So geht man in <i>Night Alone<\/i> etwa gerade mit dem kleinen Hund Gassi und findet einen Stein. Wie Kinder so sind, heben sie nat\u00fcrlich alles auf und unsere naive Protagonistin wirft den Stein auf die Stra\u00dfe, damit der Hund apportieren kann. Just in diesem Moment rauscht rasend schnell ein Transporter vorbei, es folgt ein verzerrtes Quietschen des (vermutlich) toten Hundes und es wird schwarz. Auch wenn die Stra\u00dfe mit Blutspuren und \u2013spritzern \u00fcbers\u00e4ht ist, denkt sich das M\u00e4dchen mit der zerrissenen Leine in der Hand nicht B\u00f6ses und vermutet, dass der kleine Kl\u00e4ffer lediglich den angrenzenden Hang heruntergeh\u00fcpft ist. Auf der n\u00e4chtlichen Suche nach dem kleinen H\u00fcpfer geht dann wie bereits erw\u00e4hnt durch verwirrende Umst\u00e4nde die gro\u00dfe Schwester verloren und man ist mitten in der Nacht allein in einer gro\u00dfen Stadt als kleines M\u00e4dchen auf sich allein gestellt.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil, <i>Midnight Shadows<\/i>, geht es ganz \u00e4hnlich zu. Wieder ist ein kleines M\u00e4dchen mit ihrem Hund \u2013 dieses Mal im Wald \u2013 unterwegs und wird durch eine spr\u00f6de Br\u00fccke von ihrem Haustier getrennt. Da dies der einzige Weg zur\u00fcck zu ihrem kleinen Freund war, dreht die Gute kurzerhand um und erh\u00e4ngt sich an einem an sich sehr sch\u00f6nen Ort, n\u00e4mlich ein Kirschbaum auf der Spitze eines H\u00fcgel mit der Stadt und dem Sonnenuntergang im Hintergrund. Auf diese brutale Weise bekommt man sogar das Tutorial serviert. Man selbst schiebt die Kiste unter den starken Ast des Baumes und interagiert schlie\u00dflich mit diesem. Das mag alles extrem absto\u00dfend klingen und das ist es auch. Genau diese Art von Horror weckt aber gewisse \u00c4ngste im Menschen und wirkt tadellos. Viele moderne Horrorgames setzen einfach nur auf laute Ger\u00e4usche und reichlich Jumpscares, die <i>Yomawari<\/i>-Reihe zeigt aber hervorragend, dass es einem auch anders eiskalt den R\u00fccken runterlaufen kann.<\/p>\n<p><b>Nachts erkundet es sich am besten!<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80818.jpg\" alt=\"Bild 80818\" style=\"float: left;\">Komischerweise kommen die Protagonistinnen aus beiden Spielen auf die glorreiche Idee, mitten in der Nacht den Ort und die n\u00e4here Umgebung zu Erkunden. Das ist nat\u00fcrlich eine denkbar ung\u00fcnstige Zeit f\u00fcr ein junges M\u00e4dchen, um auf die Stra\u00dfe zu gehen. Zum Gl\u00fcck treiben sich in beiden Spielwelten aber nur reichlich rastlose Seelen verstorbener Menschen herum, die einem aus irgendwelchen unerfindlichen Gr\u00fcnden nach dem Leben trachten. Man gelangt recht schnell in den Besitz einer Taschenlampe und kann damit besagte Seelen und Geister sichtbar machen, manchmal sogar zur Flucht zwingen. Andere wiederum werden so erst recht auf uns aufmerksam. Diese Gesellen muss man dann geschickt durch rennen oder schleichen umgehen, oder schlichtweg nicht mit dem Licht auf sie zielen. Die Variationen der Widersacher in beiden Spielen sind beachtlich. Zwar trifft man oft auf bereits bekannte Arten, doch lauern hinter jeder Ecke auch wieder neue Gefahren, deren Eigenheiten man erst entschl\u00fcsseln muss.<\/p>\n<p>Meistens ist der digitale Tod da unausweichlich. Generell ist das \u201eTrial and Error\u201c-Prinzip hier sehr pr\u00e4sent, da man weitestgehend ohne F\u00fchrung nach dem n\u00e4chsten Ziel suchen muss. Der einzige Hinweis \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 ist hier und da die angezeigte Mission. Gerade im ersten Teil kann man sich da schon arg verloren vorkommen. Nach einer etwas ungerichteten Startphase wird der Weg aber immer klarer, woraufhin die <i>Yomawari<\/i>-Spiele ihren wahren Reiz entfalten. Auf dem Weg zum n\u00e4chsten Schl\u00fcsselort werden dem Spieler nicht selten Steine wie riesige Geister oder ganz \u00e0 la <i>Silent Hill<\/i> Stra\u00dfensperren in den Weg gelegt. Auch jagt einen das Spiel ganz gerne mal von A nach B, da man vor einem riesigen Augapfel oder anderen verzerrten Gestalten fl\u00fcchten muss. Ein wichtiges Element beim Umgehen des Ablebens sind die Verstecke wie B\u00fcsche oder Reklameschilder. Versteckt man sich darin oder dahinter, wird um einen herum alles schwarz und man selbst f\u00fcr die Seelen unsichtbar. Trotz der allumfassenden Dunkelheit wird durch einen sehr eindringlichen Herzschlag akustisch und visuell dargestellt, wo wie nah der Feind noch ist. Eine gute Methode um Beklemmung hervorzurufen, vor allem wenn man gerade im letzten Moment noch schnell Zuflucht in einem Busch findet, obwohl ein Geist mit einer riesigen blutbefleckten Schere hinter einem her ist.<\/p>\n<p><b>Der Stil wirkt, entsch\u00e4rft aber auch etwas<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80821.jpg\" alt=\"Bild 80821\" style=\"float: right;\">Generell ist <i>Yomawari<\/i> eher in einem kindlicheren Comic-Stil gehalten. Durch die schr\u00e4ge Draufsicht und die detaillierte Spielwelt wirkt das Ganze aber dann doch recht lebensnah. Die meist sehr dezente, aber extrem authentische Klangkulisse ist daran sicher auch nicht ganz unschuldig. Zwar werden \u00c4ngste eher in einer realistischeren Darstellung erzeugt, doch auch hier ist der Grusel allgegenw\u00e4rtig. Man hat es halt nur mit einer anderen Wirkungsweise zu tun. Statt Realismus bekommt man Surrealismus, und statt Jumpscares sitzt einem stets der Schalk im Nacken. Elemente wie der Selbstmord eines kleinen M\u00e4dchens oder die teils extrem bizarr gestalteten Seelen machen den asiatisch gepr\u00e4gten Horror echt wirkungsvoll.<\/p>\n<p>Technisch ist die Sammlung auch eine runde Sache. Der Spielfluss \u2013 wenn man denn das Ziel findet \u2013 ist recht angenehm, und frustige Stellen halten sich zum Gl\u00fcck in Grenzen. Lediglich im ersten Ableger h\u00e4tte ich an einer Stelle fast das Handtuch geworfen, da ich durch einen ung\u00fcnstigen R\u00fccksetzpunkt an einer extrem verzwickten Stelle immer wieder eine halbe Ewigkeit laufen musste, um dann bei unz\u00e4hligen Versuchen zu sterben. Auch das Speichersystem ist im ersten Teil noch etwas unausgegoren. So sind \u00fcberall in der Stadt sogenannte Jizo-Schreine verteilt, denen man gefundene 10-Yen-M\u00fcnzen darbieten muss, um sie zu aktivieren. Allerdings wird hier nur schnellgespeichert, es handelt sich also lediglich um Checkpoints. Zum Speichern muss man also entweder komplett zur\u00fcck nach Hause oder eine bestimmte Schl\u00fcsselstelle der Geschichte erreichen. In <i>Midnight Shadows<\/i> sind die Schreine zum Gl\u00fcck richtige Speicherpunkte, weshalb man das Spiel auch mal bedenkenlos spontan beiseitelegen kann. Die Gedenkst\u00e4tten stellen \u00fcbrigens auch das Schnellreise-System dar. Bereits aktivierte Schreine kann man n\u00e4mlich (auch ohne Einsatz einer M\u00fcnze) jederzeit bereisen und erspart sich so unn\u00f6tige Laufwege bereits aufgedeckter Gebiete, was echt enorm praktisch ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Horror ist nicht gleich Horror. 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