{"id":236,"date":"2018-09-24T18:00:07","date_gmt":"2018-09-24T18:00:07","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-30T00:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ps.501-legion.de\/?p=236","title":{"rendered":"Victor Vran: Overkill Edition"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Kreaturen der Unterwelt ihr Unwesen treiben und eine einst friedliche Stadt praktisch menschenleer verrottet, dann braucht es eine Fachkraft, die mit dem d\u00e4monischen Ungeziefer ordentlich den Boden aufwischt. Jemanden wie Victor Vran, der ohnehin gerade in der Gegend ist und dank seiner D\u00e4monenkr\u00e4fte die dunkle Brut zudem mit ihren eigenen Waffen schlagen kann. Nach <i>Titan Quest<\/i> landete mit <b>Victor Vran: Overkill Edition<\/B> nun das zweite Action-Rollenspiel mit deutlichen Z\u00fcgen von <i>Diablo<\/i> auf der Switch \u2013 und das noch kurz bevor der Beutej\u00e4ger-Platzhirsch h\u00f6chstpers\u00f6nlich auf der Konsole Platz nimmt. Doch es w\u00e4re mehr als kurzsichtig, das Werk aus dem Hause Haemimont Games (<i>Tropico 3<\/i>) mit Blizzards Vorbild zu vergleichen. Es hat n\u00e4mlich durchaus eigene Z\u00fcge, die es gleicherma\u00dfen spielenswert wie gelegentlich frustrierend machen.<\/p>\n<p><b>Verflucht nochmal!<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80568.jpg\" alt=\"Bild 80568\" style=\"float: left;\">Schauplatz des rund 15 bis 20 Stunden langen Abenteuers ist Zagoravia, eine mittelalterliche Stadt mit leichten Steampunk-Z\u00fcgen, die beileibe bessere Zeiten gesehen hat. Auf den einst belebten Stra\u00dfen tummeln sich nur noch Untote herum, Spinnen suchen die prachtvollen G\u00e4rten des K\u00f6nigshauses heim und von den vielen H\u00f6hlen und Einrichtungen m\u00f6chte ich gar nicht erst anfangen. Als Mitglied des J\u00e4ger-Ordens ist es f\u00fcr Victor eigentlich Ehrensache, hier nach dem Rechten zu sehen. Er nimmt den Auftrag der K\u00f6nigin Katarina jedoch erst an, nachdem er sich der Schwere der Lage versichert hat \u2013 und wird dabei schnurstracks in ein Abenteuer verstrickt, das nicht nur die wahre Natur des hiesigen Monsterbefalls zum Ziel hat, sondern ihm auch ein paar pers\u00f6nliche Antworten liefert. Sofern er sie denn angesichts der Stimme in seinem Kopf, die ihn st\u00e4ndig mit eingeworfenen Kommentaren piesackt, auch mitbekommt.<\/p>\n<p>Trotz des recht ernst wirkenden Settings samt enstprechend gewichtiger, wenngleich eher mittelm\u00e4\u00dfig pr\u00e4sentierter Dialoge hat <i>Victor Vran<\/i> durchaus eine humorvolle Note und l\u00e4sst sich zum ein oder anderen Kalauer hinrei\u00dfen. Gerade die Stimme, die in den Untertiteln \u00fcbrigens tats\u00e4chlich schlicht als solche bezeichnet wird, witzelt den lieben langen Tag \u00fcber Victors nicht vorhandenes Liebesleben oder die geldgierige Natur der J\u00e4ger. Die Gags sitzen jedoch leider nicht immer und bedienen sich teilweise Popkultur-Anspielungen, die bereits ein Jahrzehnt auf dem Buckel haben und somit mehr Kopfsch\u00fctteln als Schmunzeln provozieren. Dass ein Pulk tanzender Zombies den Gangnam-Style nachahmt, ist mir erst deutlich sp\u00e4ter bewusst geworden. Trotzdem lockern derartige Scherze das ernste Setting recht gut auf, zumal man angesichts von Einblendungen der Marke \u201eOverkill\u201c und eines bestimmten Zusatzszenarios eh nicht viel Wert auf Immersion gelegt hat.<\/p>\n<p><b>Vicky und die starken H\u00e4mmer<\/b><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80570.jpg\" alt=\"Bild 80570\" style=\"float: right;\">Nein, stattdessen liegt der Fokus auf Action und Beute! Jedes Gebiet ist dabei grob in eine Haupt-Karte und mehrere kleine Unter-Areale unterteilt. Eine zusammenh\u00e4ngende Karte als Ganzes, die man komplett durchmarschieren k\u00f6nnte, gibt es zwar nicht, daf\u00fcr k\u00f6nnt ihr euch jederzeit zur\u00fcck ins als Basis dienende Schloss zur\u00fcckteleportieren, um von dem dortigen Lageplan aus das n\u00e4chste St\u00fcck Land anzusteuern. Sogar auf Streifz\u00fcgen bereits aufgedeckte Dungeons lassen sich so direkt ansteuern \u2013 ideal, wenn man sich zur Vorbereitung noch einmal beim H\u00e4ndler im Lager r\u00fcsten m\u00f6chte, den gewaltigen Fu\u00dfmarsch dorthin jedoch nicht erneut auf sich nehmen will. Die Gro\u00df-Gebiete sind n\u00e4mlich bei weitem nicht ohne und laden mit diversen versteckten Gassen und Sch\u00e4tzen geradezu zum Erkunden ein. Dies wird vor allem durch die f\u00fcr jedes Areal verf\u00fcgbaren Herausforderungen gest\u00e4rkt. Beim Betreten eines jeden Ortes listet euch das Spiel f\u00fcnf spezielle Aufgaben, f\u00fcr deren Erf\u00fcllung Gold, Erfahrungspunkte oder Ausr\u00fcstungsobjekte winken. Das kann etwas einfaches wie das Ausp\u00fcren vierer versteckter Schatztruhen oder erledigen von 20 Skeletten sein, es gibt jedoch auch kniffligere Aufgaben wie das Ausschalten eines Bossgegners innerhalb eines knappen Zeitlimits oder das Bek\u00e4mpfen bestimmter, kniffliger Gegner, ohne dabei auf Heiltr\u00e4nke oder D\u00e4monenkr\u00e4fte zur\u00fcckzugreifen. Im Gro\u00dfen und Ganzen sind die Challenges dennoch optional und k\u00f6nnen getrost ignoriert oder f\u00fcr einen sp\u00e4teren Anlauf mit besserer Bewaffnung aufgehoben werden. Ein netter Zusatzanreiz: Nach Spielabschluss werden noch h\u00e4rtere Herausforderungen freigeschaltet, an denen ihr euch die Z\u00e4hne ausbei\u00dfen k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Dass es bei den Streifz\u00fcgen durch die Landschaft auch mal zum Kampf kommen wird, sollte somit wohl gut erkennbar sein. Victor ist zum Gl\u00fcck ziemlich flink auf den Beinen und flexibel noch dazu. Anstatt ihn auf eine bestimmte Charakterklasse mit begrenzter Waffenwahl einzuschr\u00e4nken, kann er frei aus s\u00e4mtlichen Kampfwerkzeugen ausw\u00e4hlen. So k\u00f6nnt ihr etwa Wellen von Spinnengegnern mit einer Sense zurechtstutzen oder Geister mit dem Elektro-Gewehr im besten <I>Ghostbusters<\/i>-Stil wieder ins Jenseits bef\u00f6rdern \u2013 wahlweise direkt hintereinander ohne gro\u00dfes Men\u00fc-W\u00fchlerei, denn nach ein paar Stufenaufstiegen kann Victor zwei Waffen gleichzeitig ausr\u00fcsten, zwischen denen mit der R-Taste gewechselt wird. Kombiniert mit der Tatsache, dass der D\u00e4monenj\u00e4ger nicht nur eine Ausweichrolle hinlegen, sondern auch noch springen kann, kommt so ein \u00e4u\u00dferst dynamischer Spielfluss zustande. Die Herausforderungs-Quests und Gegner-Konstellationen regen zudem stets zum munteren Wechsel der Bewaffnung an, denn manche Feinde lassen sich mit bestimmten Schlagwerkzeugen deutlich besser vernichten als mit anderen. Noch mehr Schwung kommt durch ausr\u00fcstbare D\u00e4monenkr\u00e4fte, die sich gelegentlich unter der Beute befinden, sowie Bomben und Tr\u00e4nke ins Spiel. Gerade die vielf\u00e4ltigen Zauber erlauben erstaunlich viele Strategien, die sich bei manch heftigerer Konfrontation als lebensrettend erweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80569.jpg\" alt=\"Bild 80569\" style=\"float: left;\">Trotzdem machen sich nach einigen Stunden Spielzeit schw\u00e4chen an der generellen Kampfstruktur bemerkbar. So wird Victor beispielsweise nur selten sp\u00fcrbar st\u00e4rker und selbst Ausr\u00fcstungs-Upgrades \u00e4ndern daran nicht viel \u2013 die Gegner werden gef\u00fchlt schlichtweg auf ein vergleichbares Niveau skaliert. Auch verf\u00fcgt jede Waffe \u00fcber exakt drei festgelegte F\u00e4higkeiten, auf die ihr das ganze Spiel \u00fcber zugreift. Die immergleichen Feinde mit den immergleichen Kombos auf die Matte zu schicken, wird irgendwann leider doch etwas alt. Und ja, an Monster-Variantenreichtum mangelt es <i>Victor Vran<\/i> leider ebenfalls. Grob kategorisiert gibt es vielleicht sechs Gegner-Typen, von denen einige zudem durch \u00e4u\u00dferst nervige Eigenschaften auffallen. Untote stehen beispielsweise nach erstmaligem Erlegen direkt wieder auf, wenn man sie nicht per Overkill niedergestreckt hat. Vampire wiederum verlassen sich gar nicht erst auf solchen Unsinn und verf\u00fcgen direkt \u00fcber einen riesigen Trefferpunkte-Vorrat. Das streckt manche Konfrontationen ungemein in die L\u00e4nge und sorgt eher f\u00fcr Eint\u00f6nigkeit.<\/p>\n<p><b>Jenseits von Zagoravia<\/b><br \/>\nAber es muss doch Mittel und Wege geben, den D\u00e4monenj\u00e4ger zu st\u00e4rken! Tats\u00e4chlich gibt es die, auch abseits des regul\u00e4ren Beute-Erwerbs. \u00dcber Transmutationen lassen sich etwa Gegenst\u00e4nde einer Seltenheitsstufe zu einem zuf\u00e4lligen, neuen Objekt derselben oder h\u00f6heren Klasse verschmelzen. Alternativ nutzt ihr den Fusionsapparat dazu, bestehende Waffen mit passiven Attributen oder schlichtweg mehr Angriffskraft zu st\u00e4rken. Oder ihr macht flei\u00dfig von den Schicksalskarten Gebrauch, die Victor diverse Boni wie Explosionszauber beim Erzielen von kritischen Treffern oder das Entziehen gegnerische Lebensenergie verleihen. Doch auch dies f\u00fchrt leider nicht zu den gro\u00dfen, sp\u00fcrbaren Sch\u00fcben, die man im Laufe seiner Streifz\u00fcge gerne sehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ps.501-legion.de\/files\/image_db\/80571.jpg\" alt=\"Bild 80571\" style=\"float: right;\">K\u00f6nnen denn wenigstens die Zusatzkampagnen f\u00fcr Abwechslung sorgen? Zumindest in einem Fall schon. <i>Mot\u00f6rhead: Through the Ages<\/i> ist eine wunderbare Hommage an die Band, die euch durch drei recht gro\u00dfe Hauptgebiete samt kleinerer Unterkarten f\u00fchrt, welche allesamt in irgendeiner Form auf den musikalischen Erzeugnissen der Gruppe basieren. Nat\u00fcrlich kommt dabei auch der Soundtrack nicht zu kurz: An Rock-Monumenten eingeleitete \u00dcberlebensk\u00e4mpfe werden stilecht von Mot\u00f6rhead-Liedern begleitet, die erst als Instrumental-Version beginnen und sich Welle f\u00fcr Welle zu ihrer vollen Pracht aufbauen. Mit gerade mal f\u00fcnf bis zehn Stunden Spielzeit mag diese Kampagne noch k\u00fcrzer ausfallen, daf\u00fcr f\u00fchlt sie sich aber auch nicht furchtbar langgestreckt an. <i>Fractured Worlds<\/i> empfand ich hingegen als eint\u00f6niges F\u00fcllmaterial. Auch hier gibt es eine kompakte Geschichte zu erleben, der Hauptreiz liegt jedoch in den prozedural generierten Herausforderungen, die bei jedem Betreten einer Ebene neu zusammengestellt werden. An sich eine nette Idee, um f\u00fcr etwas Langzeitunterhaltung zu sorgen, nur fehlt nach wie vor das Gef\u00fchl, dass Victor wirklich bemerkbar st\u00e4rker wird \u2013 und damit verkommen die zuf\u00e4lligen Irrg\u00e4rten zu einem sehr eint\u00f6nigen Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p><b>Bis dass die Bildrate in die Knie geht!<\/b><br \/>\nIn technischer Hinsicht merkt man leider recht schnell, dass sich der J\u00e4ger mit dem schmucken Hut nicht so recht daheim f\u00fchlt. Die stilisierte 3D-Optik mit leichtem Comic-Stil kommt zwar auch so gut r\u00fcber, nur leider neigt das Spiel in turbulenteren Situationen gerne mal zu kleineren Rucklern. Richtig schlimm empfand ich es speziell bei der <I>Mot\u00f6rhead<\/i>-Erweiterung, wo stellenweise sogar die Musik unter den Framerate-Einbr\u00fcchen litt. Wohlgemerkt wurde in meinem Fall prim\u00e4r im Handheld-Modus gespielt; kleinere Test-Runden am TV-Bildschirm liefen zumindest etwas rundern, wenngleich noch immer nicht aalglatt. Immerhin halten sich die Ladezeiten weitestgehend in Grenzen, wenn man mal von <I>Factured Worlds<\/i> absieht. Die prozedural generierten Ebenen brauchen n\u00e4mlich gerne mal eine Minute, bis sie f\u00fcr euch bereit sind. Bei einer Kampagne, deren Gebiete auf h\u00e4ufige Wiederholung ausgelegt sind, f\u00e4llt das doch sehr stark ins Gewicht.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"428\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/o-HmSbnCGJc\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Kreaturen der Unterwelt ihr Unwesen treiben und eine einst friedliche Stadt praktisch menschenleer verrottet, dann braucht es eine Fachkraft, die mit dem d\u00e4monischen Ungeziefer ordentlich den Boden aufwischt. Jemanden wie Victor Vran, der ohnehin gerade in der Gegend ist und dank seiner D\u00e4monenkr\u00e4fte die dunkle Brut zudem mit ihren eigenen Waffen schlagen kann. 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